stadt

was für ein einstieg.

hier im sím-haus angekommen habe ich das holländische künstlerpaar elke und wouter getroffen, die hier den dezember über ein gueststudio haben. die beiden waren über eine bekannte aus rotterdam gestern abend zu einer geburtstagsparty eingeladen und haben mich direkt mitgenommen…
irgendwie hatte ich ja gedacht der film 101 reykjavík sei in erster linie klischee, aber jetzt halte ich ihn nur noch für ein wenig übertrieben. die party fand in einem abbruchhaus mitten in der innenstadt statt, und man könnte es als nette mischung zwischen abgerockter hippie atmosphäre und trendiger fashionparty bezeichnen. leider war der hausherr [der die wohnung in dem haus noch hatte] ein musikexperte mit einer [selbst für meine verhältnisse] riesigen vinylsammlung – leider, da er sich auf zwei musikrichtungen beschränkt hatte: country und western.
es gab dosenbier und brennivín und viele nette menschen, die es aus der ganzen welt nach reykjavík verschlagen hat.

als wir gegen zwei auf die eiskalte strasse raus sind, und um zwei ecken in die haupteinkaufs- und kneipenmeile kamen fühlte ich mich in die stosszeit eines winterschlussverkaufs vesetzt: hunderte von autos, die sich, im schritttempo [meist natürlich mit offenen fenstern und musik] immer wieder aufgehalten von einem kleinen plausch mit bekannten passanten, durch die einspurige fahrbahn schlengelten.
laugavegur
[das foto hab ich heute gemacht, aber den autokorso gibts wohl täglich]

wir sind dann noch in die uns empfohlene inkneipe eingekehrt und haben uns ein abschliessendes bier genehmigt. die kneipe/bar „sirkus“ hat als drehort des letzten[?] björkvideos berühmtheit erlangt – im sommer mit biergarten in dem jede größere isländische band und einige internationale größen schon aufgetreten sind. im winter ists eng drinnen. wir waren um kurz nach zwei früh genug da um sogar noch sitzplätze in dem winzigen laden zu bekommen – kurze zeit später musste der gästeansturm durch einen türsteher gebändigt werden…

ein grosser spass.
sirkus
[sirkus – ebenfalls heute]

on the road

akureyri -> borgarnes -> reykjavík

da ich in borgarnes kein café mit w-lan gefunden hatte [was aber sicher an mir lag] kommt jetzt der [lange] reisenachtrag:

den abschied hat akureyri versucht mir leicht zu machen – ab mittwoch nachmittag nieselregen.
donnerstag: akureyri -> borgarnes
knapp 300km auf der ringstrasse [die hauptstrasse „1“ – einmal rund um die insel] in richtung süden. die hauptstrasse ist inzwischen nahezu überall asphaltiert und in den letzten jahren werden auch die brücken weniger, die nur einspurig zu befahren sind. von daher war das busfahren auch durch den morgendlichen schneesturm im nördlichen gebirge kein problem. als es dann endlich etwas hell wurde konnte man die atemraubende landschaft sehen durch die man fährt. ich wäre gern das ein oder andere mal ausgestiegen [vor allem bei den leuchtend grün bemoosten lavafeldern bei bifröst].
da die fenster dreckmässig schon für mich relativ undurchsichtig waren hab ich die kamera im bus aber gar nicht erst ausgepackt.
um 11:50 ging die sonne majestätisch über der schneebedeckten hochebene auf durch die wir gerade fuhren – an isländischer weite hatte es am eyjafjord in akureyri ja doch gefehlt [und zuletzt auch an sonne!].

borgarnes am borgarfjord, ca. 75 km von reykjavík entfernt – mein zwischenstop. ein 1800-seelen-ort – aber es kommt einem so vor als hätten die orte hier ab ca. 1000 einwohnern das selbstverständnis eine stadt zu sein.

borgarnes

mit einem wunderbaren bergpanorama im süden:

bergpanorama von borgarnes

auf den rechten der berge bin ich dann am freitag raufgestiegen – wenn auch nich ganz zur spitze, da der schnee da oben so langsam in eis überging und die sache entsprechend rutschig wurde…

berg

berg

borgarnes von oben

blick

ab ca. 14:30, kurz bevor sie untergeht, zeigt sich die sonne nochmal neben dem bergpanorama – ansonsten liegt der ort in dieser jahreszeit komplett im schatten.

vor sonnenuntergang in borgarnes

ein paar der historischen grassodenhäuser hat man auch noch erhalten [oder wieder hingebaut?]:

grasssodenhäuser

auch in borgarnes ist der friedhof natürlich beleuchtet – nur nicht ganz so elegant und dezent wie in akureyri. sieht mehr nach jahrmarkt und weihnachtsbeleuchtung aus – wann dieser schöne trend wohl nach deutschland schwappt? [aus ziemlich sicherer quelle weiss ich natürlich, das friedhofsverwalter und -träger in D recht mächtige menschen sind die das verhindern können – aber vielleicht findet ja einer von denen auch gefallen daran?]

friedhof von borgarnes

samstag: borgarnes -> reykjavík

mein bus wäre um 13:30 gefahren, da ich aber um 11:00 meine unterkunft verlassen sollte, hab ich mein glück mit trampen versucht. aus erfrierensangst bin ich nach gut 20min erstmal nen kaffee trinken gegangen. aufgewärmt hat dann um ca. 12:00 das erste auto angehalten das vorbei kam und hat mich hier in reykjavík bis vor die tür gefahren. nett!
und nun werde ich die [gross]stadt erkunden.

wiedersehen akureyri!

tschüss

morgen früh 8:30 fährt mein bus richtung hauptstadt. ich werde allerdings vor reykjavík nochmal für zwei nächte station im nichts machen und dann erst die grossstadt erkunden. wiederkommen nach akureyri ist schon vorgenommen – irgendwann.

beleuchtung

strassenbeleuchtung

jetzt, wo man von helligkeit nur nur noch zwischen 10:30 und 14:30 sprechen kann [alles ander fällt unter sehr wenig dämmerlicht], ist die strassen/stadtraumbeleuchtung der innenstadt durchgehen eigeschaltet. man kann grundsätzlich davon sprechen, das das fehlen von tageslicht durch kunstlicht kompensiert werden soll, was aber natürlich nur begrenzt funktioniert. zumindest werden in neubaugebieten zuerst die strassenlaternen installiert, und so ziemlich jede milchkanne ist künstlich erleuchtet [besonders im vorweihnachtlichen jetzt].

strassenbeleuchtung

die strassen werden inzwischen [ab ca. 30cm schnee] auch geräumt. trotzdem stimme ich baldvin zu: „you need really good wintertires“

winter

der friedhof von akureyri ist natürlich auch durchgehend beleuchtet – sogar fast jedes einzelne grab:

friedhof

wald

schon vor meiner ersten islandreise wurde ich darauf hingewiesen, das man isländer besser nicht belustigenderweise mit ihrem doch eher spärlich vorhandenem wald konfrontiert. natürlich wurde mir schon damals trotzdem von einem isländer die scherzfrage gestellt, die alle touristen gestellt bekommen. damals wie dieses mal von einem busfahrer (dieses mal hatte der mývatnbusfahrer allerdings noch eine antworterweiterung auf lager).
nun habe ich verschiedene hier lebende nichtbusfahrer darauf angesprochen, das gerade hier um akureyri herum ja doch recht viele bäume wären, und die scherzfrage ja fast schon unpassend … keiner kannte den witz! könnte es sich um einen witz handeln, den nur busfahrer kennen?

ich habe aber gelernt, das island ausserhalb des hochlandes wohl mal recht stark bewaldet war. da die frühen siedler (beginn der landnahme laut meines reiseführers um 850 n. chr.) aber die technik der energiegewinnung durch geothermik noch nicht drauf hatten wurde das meiste holz verheizt oder als baumaterial genutzt (häuser, boote). das klima lies nur wenig nachwachsen aber man ist seit einigen jahren stark mit aufforstung beschäftigt.
wäldchen südlich von akureyri
[das wäldchen etwas südlich von akureyri – die fotos sind vom 27. nov, desshalb ohne schnee]

ach so, die scherzfrage: „was tun sie wenn sie sich auf island im wald verirrt haben?“

und schalten sie auch morgen wieder ein wenn wir ihnen hier des rätsels lösung präsentieren!

die mir bekannte antwort: „aufstehen
und als erweiterung kam dieses mal noch dazu: „zuerst den korken wieder in die flasche tun.“