SAMOWAR #9

am 14. Dezember um 19:30 eröffnet die Gruppenausstellung „Samowar“ zum neunten Mal in der Galerie Coucou.

samowar#9 - Gruppenausstellung in der Galerie Coucou

»Same procedure as every year«, … wir laden Sie herzlich zur neunten Ausgabe unserer Gruppenausstellung »Samowar« ein. Mit einer heißen Tasse Tee möchten wir mit Ihnen auf ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr anstoßen. Wie gewohnt gibt es Kunstwerke in einer großen thematischen und formalen Vielfalt, welche bestaunt, besprochen und natürlich auch erworben werden können. Wir freuen uns auf Sie!
STEPHAN BALKENHOL / INA BIERSTEDT / LINUS CLOSTERMANN / PAUL DIESTEL / SLAWOMIR ELSNER / MICHAEL GÖBEL / ANDREA GRÜTZNER / URS LÜTHI / IVAN MOUDOV / CHARLOTTE MUMM / MILEN MILTCHEV / ANDREA MÜLLER-OSTEN / SABINE ROLLNIK / MAX SAND / ROBERT STURMHOEVEL / RENE WAGNER / HASE&ZINSER

(Kopien)

Wenn man die Kopien betrachtet, scheint man die Originale anzuschauen. Handelt es sich um die Seite eines Kanals in Haarlem oder ist es ein Van der Heyden? Die Dienstmädchen auf der Straße scheinen einem Rahmen von Gerard Dow entsprungen und gleichermaßen bereit zu sein, auch wieder in ihn hinein zu treten. Wir müssen eine sehr besondere Brille aufsetzen und uns über unsere Aufgabe beugen und doch bleiben wir, jenseits unseres Bewusstseins darüber, dass unsere Ausbeute der Wirklichkeit entspringt, zweifelsohne ratlos, wie wir diese Gestalten klassifizieren sollen.

Henry James 1874

Nachtrag zu Bühl und Kassel

Die Ausstellungen (vor allem Bühl) sind ja schon ein wenig her und ich habe in diesem kleinen und etwas vernachlässigten Blog darüber nicht, bzw. wenig berichtet. Das liegt zum einen daran, das ich nach der Ausstellung mit Elke Zauner direkt in den Urlaub gefahren bin und eine wunderbare Zeit in Belgien verbracht habe, und zum anderen auch sonst mal wieder das Leben (sprich: „real-life“) außerhalb des Internets dazwischen kam. Es war viel los.

Bühl - Stufen mit HutIn die „Review-Abteilung“ meiner Portfoliowebseite ist bereits die jeweilige Fotodokumentation zu sehen.

Beide Ausstellungen haben, in meinen Augen, gut funktioniert. Trotz der räumlichen Schwierigkeiten in Bühl (der Friedrichsbau ist alles andere als ein neutraler „white cube“), passten die stark farbigen Malereien von Elke Zauner, wie schon in Offenburg, erstaunlich gut zu meinen eher zurückhaltenden, aber raumgreifenden Arbeiten. Schön, meine Skulpturen mal mit so viel Luft präsentieren zu können. Das diesesmal kein wirklicher Dialog entstehen wollte ist tatsächlich den hier nahezu getrennten Ausstellungsbereichen „Wand“ und „Innenraum“ geschuldet.
Etwas schwierig eben.

Rauschen mit HundIn der kleinen Galerie Coucou in Kassel ist dagegen -eher ungeplant- fast eine Themenausstellung entstanden.
Nachdem wir uns nach vielen Titelversuchen (Titel sind immer schwierig) geistesblitzig auf „Rauschen“ geeinigt hatten, ordneten sich die Arbeiten fast diesem Begriff unter. Und obwohl die kratzig-abgewetzen, kleinformatigen Malereien von Andrea Müller-Osten nahezu komplementär anders aussehen als meine eher glatten Arbeiten, verbinden sie sich auf der inhaltlichen Ebene zu einem Versuch über Vergangenes oder Eindrücken, die so etwas wie Nachbilder produzieren. Warum kann ich so wenig erkennen und wie soll ich die Einzelteile zusammensetzen um überhaupt so etwas wie einen Sinn zu erkennen? Ein Bild- und Erinnerungsrauschen.

Als Nachtrag zu Belgien möchte ich noch auf die etwas andere Stadtführung hinweisen, die wir in Charleroi (60km südlich von Brüssel) mitgemacht haben. Über sechs Stunden informiert und zeigt Nicolas Buissart seine Heimatstadt, die, laut einer Umfrage in einer niederländischen Zeitung, die „hässlichste Stadt der Welt sein soll. Nun gut, die ehemalige Industriestadt ist in vielen Teilen dem Verfall preisgegeben, wie man es im Ruhrgebiet nicht mehr findet. Der rostige Rest der (fast) toten Stahlwerke, die an Soviet-Bauten erinnernde Prachtarchitektur und die größtenteils entvölkerte Innenstadt geben eindrucksvoll Auskunft über den Niedergang der Großindustie im Kohleabbaugebiet Belgiens und stadtpolitische Fehlentscheidungen. Aber der etwas morbide Charme ist schön anzuschauen und der Gang durch (eigentlich verschlossene) Industriebrachen und Abraumhalden hat richtig Spaß gemacht.
Festes Schuhwerk und ausreichend Getränke (besonders im Sommer) sind absolut anzuraten!

(Selbstzweifel)

Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind.

Charles Bukowski

(Tümpel)

Die Zeit ist ein Tümpel, in dem die Vergangenheit in Blasen nach oben steigt.

Christoph Ransmayr „Der Schrecken des Eises und der Finsternis“

„Rauschen“ in der Kasseler Galerie Coucou


RAUSCHEN
Michael Göbel | Andrea Müller-Osten

Eröffnung: Freitag, 28. September 2018, 19:30 Uhr
2. bis 19. Oktober 2018 | Dienstags bis Freitags | 16:00 bis 20:00 Uhr (und nach Vereinbarung)
Sa 29. + So 30. 9. zum „kunst+kultur-rundgang vorderer westen“ von 13:00 bis 19:00 geöffnet.
GALERIE COUCOU | Elfbuchenstr. 20 | 34119 Kassel | 0170.9699897

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