(anpassung)
die anpassung unseres heutigen individuums an undurchschaubare spielregeln und vorgemachte realitäten zum preis der eigenen individualität ist mehr denn je die einzige und –scheinbar– lebensnotwendige möglichkeit, aus der sogenannten gesellschaft nicht ausgeschlossen zu sein. eines sei vorangestellt: den meisten protagonisten in kafkas romanen und erzählungen ist trotz – oder gerade wegen – aller anpassung der anpassungsprozess doch nicht gelungen.
sigrid hauser “kafkas raum im zeitalter seiner digitalen überwachbarkeit” (vorwort)
(kontext)
sine con text
die völlige abwesenheit von kontext bei den neuen studenten. you name it. they’ve dropped it. steve jobs. mies van der rohe. radiohead. bladerunner. 1984. sie erkennen ein klischee nicht, wenn sie es sehen. vielleicht ist das ja ein segen. ganz von vorne anfangen zu dürfen. möglicherweise.
anke tröder im “schriftstellwerk”
(künstler)
“dieter bohlen ist ein künstler
(…) warum sich künstler im ganzen land darüber freuen sollten.”
(taz)
p.s.: hatte kurz überlegt eine neue kategorie boulevard dafür aufzumachen, aber ich leg es lieber unter “gefunden” ab.
(der letzte augenblick)
wir sind immer am ende, stehen immer am rand des letzten augenblicks, und warum sollten wir uns jetzt einbilden, es verhielte sich anders?
paul auster “im land der letzten dinge”
(sich selbst wählen)
sieh, darum ist es so schwer, sich selbst zu wählen, weil in dieser wahl die absolute isolation mit der tiefsten kontinuität identisch ist, weil durch sie jede möglichkeit etwas anderes zu werden, vielmehr sich in etwas anderes umzudichten, unbedingt ausgeschlossen wird.
kierkegaard “entweder – oder”
(eine eigene realität)
der vergangene augenblick war durch nichts in der welt wiederherstellbar. deshalb war erinnerung immer fiktion. vergangenheit war für die erinnerung nicht mehr als ein anlass zur produktion privater mythen und legenden. ihre fotoalben, fand sie, waren demnach die bilderbücher ihrer privaten legenden. die gesammelten märchen der laura stern, illustriert von laura stern. beim aufschreiben, zum beispiel im tagebuch, wurde die erinnerung noch einmal fiktionalisiert. als schriebe man einen roman auf der grundlage eines theaterstücks. erinnerung war kein abbild der wirklichkeit, sondern eine eigene realität.
tobias hülswitt “ich kann dir eine wunde schminken”
(erinnern)
lange zeit versuchte ich mich an gar nichts zu erinnern. indem ich meine gedanken auf die gegenwart beschränkte, kam ich leichter zurecht und war weniger anfällig für verstimmungen. das gedächtnis ist eine grosse falle, verstehst du, und ich tat mein bestes, um mich zurückzuhalten und dafür zu sorgen, dass meine gedanken sich nicht in die alten zeiten zurückschlichen.
paul auster “im land der letzten dinge”